27.09.2017
Bildunterschrift
Zehra Pala bei der Verleihung des Sapio Preises im Juni 2017. © IBKA / Evelin Frerk

Nach Ansicht der Präsidentin des türkischen Atheismus Verbands Ateizm Derneği, Zehra Pala, wird die Türkei Schritt für Schritt islamisiert. Wie es Atheisten in einem Land geht, in dem die öffentliche Zurschaustellung von Frömmigkeit inzwischen zu einem Loyalitätsbeweis gegenüber der Regierung erhoben wird, erklärt Pala, die selbst aufgrund ihrer atheistischen Gesinnung ihren Job verlor, in einem Interview für den Humanistischen Pressedienst. Im Frühsommer erhielt Ateizm Derneği den „Sapio" Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten. Der Preis würdigt das Engagement des Verbandes für Aufklärung, Toleranz und Glaubensfreiheit.

Ateizm Derneği ist im Frühjahr 2014 als Reaktion auf mehrere Gerichtsprozesse gegen prominente türkische Atheisten und die volksverhetzenden Äußerungen von Politikern und Geistlichen gegen Religionslose gegründet worden. Er setzt sich vehement für die Rechte von Atheisten, Theisten, Agnostikern und Konfessionslosen ein, die sich einer wachsenden öffentlichen Stigmatisierung und Diskriminierung in Politik und Alltag ausgesetzt sehen. Ateizm Derneği liefert Betroffenen nicht nur juristische Unterstützung, sondern den viel benötigten moralischen Beistand, der sich in dem Motto des Verbandes „Du bist nicht länger allein“ („Artık yalnız değilsin“) widerspiegelt.

Letzteres scheint mit Blick auf die jüngsten politischen Entwicklungen in der Türkei, die von einem zunehmenden Verlust an Rechtssicherheit und wachsender gesellschaftlicher Polarisierung geprägt sind, dringend geboten. Jüngstes Beispiel für den schweren Stand von Ateizm Derneği ist die erneute Schließung der Verbandswebsite durch die türkischen Behörden im Frühjahr 2017.