Für diese qualitative Studie ist es besonders wichtig, das Auswahlverfahren transparent und nachvollziehbar darzustellen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Aussagen der rund 80 ausgewählten Expert*innen und Aktivist*innen der Frauenbewegungen die zentrale Datengrundlage für die spätere Analyse bilden werden.

So diente die im Frühjahr 2014 in Ankara durchgeführte zweimonatige explorative Feldforschung insbesondere auch der Identifizierung von Expert*innen für den Forschungsgegenstand „Frauenbewegungen im innertürkischen Vergleich." Außerdem wurde anhand von Feldbeobachtungen, Literatur-, Internet- und Archivrecherchen die Forschungsfrage weiter konkretisiert.

Bereits im Vorfeld hatte die Feldforscherin Veranstaltungen und Organisationen besucht und so mit potenziellen Interviewpartnerinnen Kontakt aufgenommen. Durch informelle Gespräche gelang es ihr, das jeweilige Expertenwissen zu überprüfen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Die Auswahl der Interviewpartnerinnen orientierte sich daran, möglichst vielfältige Perspektiven auf Frauenbewegungen in Ankara zu erhalten. Auch die persönlichen Merkmale der Interviewpartnerinnen, wie zum Beispiel Beruf, Alter oder ethnische Herkunft sollten die Heterogenität von frauen- und geschlechterpolitischen Aktivist*innen in der 5-Millionen-Metropole widerspiegeln.

Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen aus Istanbul wählte das Forschungsteam 20 Expertinnen für das Forschungsfeld Ankara aus, um mit ihnen im Herbst 2014 Interviews durchzuführen.

Aufgrund ihrer Funktionen, Zuständigkeiten und Aufgaben in den einzelnen Organisationen und Institutionen tragen diese Personen Verantwortung für Aktivitäten und Debatten innerhalb der frauen- und geschlechterpolitischen Bewegungen in Ankara. Gleichzeitig verfügen sie über einen privilegierten Zugang zu Informationen, die für die Forschungsfrage relevant sind, z.B. wie Entscheidungsprozesse zu Bündnispolitiken ablaufen.

Zu den Expertinnen der Frauenbewegungen in Ankara gehören sowohl Personen aus der institutionalisierten Wissenschaft als auch aus der Zivilgesellschaft. So wurden Interviews mit Wissenschaftlerinnen aus Universitäten und Forschungszentren sowie mit Aktivistinnen geführt, die sich in religiös-konservativen, kemalistischen, feministischen, sozialistischen oder LGBT*-orientierten (Frauen-)Organisationen und -Bündnissen organisieren.