07.06 - 08.06.2017

Centrum für Türkei und EU Studien (CETEUS), Köln

Am 7. und 8. Juni 2017 fand der offizielle Auftakt von TRIANGLE statt - mit drei am CETEUS an der Universität zu Köln abgehaltenen Veranstaltungen: ein Internes Projekttreffen, ein Runder Tisch mit Diskussionen zu „Blickwechsel in den EU/Deutsch-Türkischen Beziehungen“ und ein Internationaler Workshop zu “Narrativen und Wahrnehmungen zu EU-Türkei-Beziehungen“.

 

1) Internes Projekttreffen

Die Forschungsteams vom CETEUS und der METU trafen sich, um über den allgemeinen Rahmenplan des Projekts zu sprechen, die bisherigen Fortschritte einzuschätzen, gemeinsame methodische Vorgehensweisen festzulegen und die kommenden Projekt- und Forschungsvorhaben zu planen.  

2) TRIANGLE Roundtable

Funda Tekin (CETEUS) moderierte den Runden Tisch, an demAtila Eralp (METU), Javier Nino Pérez (Leiter der Abteilung Türkei beim Europäischen Auswärtigen Dienst), Wolfgang Wessels (CETEUS) und Wolf-Ruthart Born (ehemaliger Staatssekretär) über “Blickwechsel in den EU/Deutsch-Türkischen Beziehungen jenseits aller Konflikte: Welche Art von Partnerschaft für eine zeitgenössische Türkei?” diskutierten.

Die SprecherInnen waren sich einig darüber, dass  die EU-Türkei-Beziehungen in ihrer Länge und ihrem zyklische Charakter einzigartig sind. Während sie die Besonderheit der aktuellen Krise in den Beziehungen anerkannten, erinnerten sie die ZuhörerInnen gleichzeitig an den geschichtlichen Kontext und die zahlreichen Herausforderungen und Chancen in den EU-Türkei-Beziehungen. Zudem wurde die Rolle Deutschlands in den Beziehungen unterstrichen und näher erläutert. 

3) Internationaler Workshop “Narrative und Wahrnehmungen zu EU-Türkei-Beziehungen – eine differenzierte Zukunft?“

Am 8. Juni eröffnete Funda Tekin (CETEUS) den Internationalen Workshop. Das erste Panel mit dem Titel “Geschichte der EU-Türkei-Beziehungen – welche Art von Master Narrative?“ wurde von Johannes Müller-Gomez (CETEUS) moderiert. Die SprecherInnen Atila Eralp (METU), Wolf-Ruthart Born (ehemaliger Staatssekretär), Dicle Korkmaz (METU) und Wolfgang Wessels (CETEUS) diskutierten über den stetigen Wandel der Narrative während der langjährigen EU-Türkei-Beziehungen. Demnach hätten sowohl die türkischen als auch die europäischen Wahrnehmungen der Zusammenarbeit stets einen zyklischen Charakter aufgewiesen. In den letzten Jahrzehnten seien die Narrative auf beiden Seiten häufig hinterfragt wurden. Die Diskussion konzentrierte sich auf die fehlende politische Konditionalität der EU gegenüber der Türkei aufgrund des „leeren Versprechens“ auf Mitgliedschaft.

Das zweite Panel hatte den Titel „Nationale Wahrnehmungen von EU-Türkei-Beziehungen – EU-Mitgliedsstaaten als potentielle Veto-Punkte?“. In diesem von Ebru Ece Özbey (METU) moderierten Panel präsentierten und diskutierten Aras Lindh (Swedish Institute of International Affairs, Stockholm), Bianca Benvenuti (Istituto Affari Internazionali, Rome) und Senada Selo Sabic (Institute for Development and International Relations, Zagreb) von ihnen erstellte Länderberichte über nationale Debatten zu EU-Türkei-Beziehungen in ihren Heimatländern. Diese Berichte wurden im Rahmen des Horizon 2020-Projekts zur Zukunft der EU-Türkei-Beziehungen (FEUTURE) erstellt. Die Sprecher*innen waren sich einig, dass die aktuellen Entwicklungen in jedem der vorgestellten Länder kritisch gesehen würden, wenn sich auch jedes Land unterschiedlich intensiv mit dem Thema beschäftige. Außerdem würden, besonders im Fall von Italien und Schweden, ökonomische Erwägungen den Vorrang gegenüber politischen Bedenken haben. Ungeachtet der aktuellen Rückschläge hätte es, der historischen Perspektive der SprecherInnen folgend, in allen Ländern eine generell positive Einstellung zum türkischen Wunsch auf EU-Mitgliedschaft gegeben.

Auf dem dritten und letzten Panel mit dem Titel “Eine differenzierte Zukunft für die EU-Türkei-Beziehungen?” diskutierten Elina Brutschin (Webster University, Wien), Funda Tekin (CETEUS) und Ebru Turhan (Türk-Alman Üniversitesi, Istanbul), moderiert von Mirja Schröder (CETEUS). Die Frage war, ob es eine differenzierte Zukunft für die EU-Türkei-Beziehungen gäbe. Die drei Beiträge kamen zu dem Schluss, dass eine externe differenzierte Integration zwischen der EU und der Türkei allmählich ausgebaut würde. Daher könnten andere Partnerschafts-Formate das Konzept voller Mitgliedschaft auf lange Sicht ersetzen. Dennoch blieben Fragen offen, beispielsweise:
(1) Was sind Politikfelder, in denen eine verstärkte Integration zwischen der Türkei und der EU stattfinden könnte?
(2) Wie könnte die institutionelle Struktur der EU-Türkei-Beziehungen gestaltet werden?
(3) Welche Akteure werden die neuen Formate der EU-Türkei-Beziehungen forcieren und prägen? 

In allen drei Veranstaltungen wurden wertvolle Einsichten für das TRIANLGE-Projekt erarbeitet, besonders angesichts der thematischen und geographischen Vielfalt an Meinungen und Analyseperspektiven. Der Forschungsprozess im Projekt wird nun damit beginnen, die institutionelle Struktur der EU/Deutsch-Türkischen Beziehungen nachzuzeichnen. Die nächste Veranstaltung des Projekts wird der TRIANLGE PhD Workshop zur „Europäischen Union, der Türkei und ihrer weiteren Nachbarschaft: Herausforderungen und Chancen“ am 17.und 18. Oktober 2017 in Barcelona sein. Der Call for Papers wurde gerade erst veröffentlicht und wir freuen uns auf eine weitere bereichernde Debatte zu den EU-Türkei-Beziehungen.