14.02 - 16.02.2018

Centrum für Nah- und Mittelost-Studien, Marburg

Internationaler Workshop in Marburg zu "Politics of Culture in der zeitgenössichen Türkei". Thematisch geht es schwerpunktmäßig um zeitgenössiche (gegen)hegemoniale Diskurse zu Kultur in der türkischen Gesellschaft.

Bis zum 15. November können noch Beiträge eingereicht werden – der Call of Papers ist hier zu finden.

Politische Macht in modernen, kapitalistischen Gesellschaften (wie von Antonio Gramsci in seinen berühmten "Gefängnisheften" umrissen) wird mehr durch Konsens als durch Gewalt ausgeübt. Konsens beruht jedoch auf der Fähigkeit der herrschenden Elite, kulturelle Hegemonie zu erlangen und ihre Weltanschauung als die allgemein akzeptierte Norm zu etablieren. Dementsprechend muss Kultur als ein Ort ideologischer Auseinandersetzung verstanden werden, in dem verschiedene Weltanschauungen und Lebensweisen miteinander konkurrieren. Aus dieser Perspektive verwandelt sich die Frage, wie ein Mensch lebt – oder besser gesagt, wie eine Person ihre Lebensweise öffentlich zur Schau stellt – leicht in einen ideologischen Machtkampf. Die Präsenz eines bestimmten Lifestyles kann in diesem Sinne als ein effizientes Mittel zur Beanspruchung öffentlichen Raums und der Forderung nach politischer Macht bzw. deren Herausforderung fungieren. In unserem Verständnis ist Kulturproduktion also nicht auf das Reich der Künste (Theater, Kino, bildende Kunst, Literatur usw.) beschränkt, sondern schließt auch explizit das Reich der gewöhnlichen - das heißt, performative Handlungen wie beispielsweise der Konsum alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit oder das Tragen bestimmter Kleidungsstyle. Dieser Workshop zielt daher auch darauf ab, sich kritisch sowohl mit Fragen alltäglicher kultureller Praktiken als auch institutionalisierter Kulturpolitik zu beschäftigen.

Die Organisatoren Ass. Prof. Dr. Kaya Akyıldız und Dr. Pierre Hecker möchten Forscher*innen aus verschiedenen akademischen Bereichen zusammenzubringen. Wir möchten außerdem betonen, dass dieser Aufruf auch für AkademikerInnen, kreative KünstlerInnen und Kulturschaffende offen ist, die keine Hochschulzugehörigkeit haben und sich für eine kritische Diskussion der folgenden Themen interessieren:

  • kultureller Widerstand und Beherrschung in zeitgenössischer türkischer Kunst (Kino, Musik, Straßenkunst, Bildende Kunst, Fotografie, Literatur, Comic-Bücher usw.)
  • neo-religiöser Konservatismus in Schulcurricula, Fernsehprogrammen, Mode, frommer Unterhaltung etc.
  • Neo-Ottomanismus
  • weltliche und religiöse Lifestyle-Praktiken
  • Politik der Differenz und Darstellungen nationalistischer, weltlicher, frommer, subkultureller etc. Identitäten
  • Kulturökonomie und Kulturpolitik (cultural economics and cultural policies)
  • Erinnerungspolitiken und die Wiedererfindung nationaler Geschichte