17.03 - 16.03.2018

Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut

In vier thematischen Panels lädt der Workshop dazu ein, die Umbrüche, Krisen und Widerstände in Geschichte wie Gegenwart der Türkei mit Blick auf ihre Kontinuitäten, Brüche sowie Vorboten zu untersuchen.

Spätestens seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wird der gegenwärtige Zustand der demokratischen Verfasstheit der Türkei und seiner rechtsstaatlichen Institutionen als krisenhaft beschrieben. Im Innern wie nach außen hin war die Türkei der letzten Jahre von vielen Umbrüchen geprägt. Neben einer Innenpolitik, die unter dem Eindruck der Proteste vom Gezi-Park im Juni 2013 und einer Vielzahl von Wahlen zunehmend von Autoritarismus und Polarisierung gekennzeichnet war, stehen auch die Außenbeziehungen der Türkei vor einer Neuordnung: Die Beziehungen zur Europäischen Union sind auf einem Tiefpunkt angelangt, während die Machtverschiebungen in der Region und anhaltende Flucht- und Migrationsbewegungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes vor große Herausforderungen stellen.

Umbrüche, Krisen und Widerstände bestimmen dabei nicht erst in jüngster Zeit das gesellschaftspolitische Tableau der Republik Türkei. Alleine drei Militärputsche formten die Geschichte des Landes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die anschließend einsetzende neoliberale Agenda der 1980er Jahre öffnete die Türkei nicht nur den globalen Märkten. Sie hatte auch weitreichende soziale und kulturelle Folgen für die Organisation der Gesellschaft nach innen, darunter die zunehmenden identitätspolitischen Fragmentierungen, welche die Türkei bis heute prägen.

In vier thematischen Panels lädt der Workshop dazu ein, die Umbrüche, Krisen und Widerstände in Geschichte wie Gegenwart der Türkei mit Blick auf ihre Kontinuitäten, Brüche sowie Vorboten zu untersuchen. Wie wurde und wird gesellschaftspolitischer Wandel im Feld der Kulturproduktion reflektiert, wie hat sich dieser in das Städtische eingeschrieben und Urbanisierungsprozesse geprägt? Wodurch sind die gegenwärtigen Debatten um Flucht und Migration sowie der Kampf um Freiheit in Bildung, Wissenschaft und Forschung bestimmt? Diese Schwerpunkte sollen über disziplinäre Grenzen hinweg  in vier Panels diskutiert werden.

Ziel der Veranstaltung ist die Verbesserung des Austausches junger Türkeiforscher*innen aus verschiedenen Disziplinen sowie die Entwicklung gemeinsamer Projekte. Dies soll dazu beitragen, dass auch im deutschsprachigen Raum die aktuellen Entwicklungen in der Türkei durch eine interdisziplinäre wissenschaftliche Debatte begleitet werden und sich dieser weiterhin als Standort der modernen Türkeiforschung etabliert. Der Workshop ist die fünfte Veranstaltung in der Reihe „Türkeiforschung in Deutschland“, die von Network Turkey und dem TürkeiEuropaZentrum (TEZ) seit 2010 an der Universität Hamburg organisiert wird. Die Sprache des Workshops ist Deutsch; englischsprachige Beiträge von Nachwuchswissenschaftler*innen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und anderen Ländern sind jedoch ebenfalls herzlich willkommen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Programm „Blickwechsel – Studien zur zeitgenössischen Türkei“ statt, das von der Stiftung Mercator gefördert wird. Ausgewählte Beiträge werden in der Reihe „Junge Perspektiven der Türkeiforschung“ (VS Springer) publiziert.

Öffentliche Veranstaltungen 16. März 2018

9:45 Uhr
Keynote: Prof. Dr. Kader Konuk (Universität Duisburg-Essen)
The Future of Turkish Studies (Englisch)
Ort: Asien-Afrika-Institut, ESA 1 (Ost), Rm 221

18:30 Uhr
Paneldiskussion Academic Freedom in Turkey (Englisch)
mit
Seda Altuğ (Boğaziçi Universität /EUME Fellow 2017/18)
Tuba Inal-Çekiç (HafenCity Universität Hamburg)
Muzaffer Kaya (Technische Universität Berlin)
Sezai Ozan Zeybek (Stiftung Wissenschaft und Politik)

Moderation: Kerem Öktem (Karl-Franzens-Universität Graz / University of Oxford)
Ort: Asien-Afrika-Institut, ESA 1 (Ost), Rm 221

 

Geschlossener Workshop 16. und 17. März 2018

Workshopgruppen und –leitung:

  • Kultur und Gesellschaft – Johanna Chovanec, M.A. (Universität Wien)
  • Migration und Flucht – Gabriele Cloeters, M.A. (Universität Hamburg/ 2017/18 Mercator-IPC Fellow)
  • Akademische Freiheit und Bildung – Dr. Onur Inal (Universität Hamburg)
  • Das Städtische – Urszula Woźniak, M.A. (Humboldt-Universität zu Berlin)

 Weitere Informationen sind auf der Webseite der Universität Hamburg zu finden.