Veranstaltungsankündigung

06.09.2019 17:15

Haus der Patriotischen Gesellschaft, Trostbrücke 6, 20457 Hamburg

Einladung zum Vortrag "Atheismus, Deismus und der Bedeutungsverlust des Religiösen in der Türkei"
von Dr. Pierre Hecker, Centrum für Nah- und Mittelost-Studien, Marburg.

Eine im Jahr 2014 von der Behörde für religiöse Angelegenheiten in Auftrag gegebene Erhebung zum religiösen Leben in der Türkei bezifferte den Anteil der sich zum Islam bekennenden Bevölkerung mit 99,2 %. Die Studie verfolgte offensichtlich nicht nur die Absicht, die Dominanz des Islam in der türkischen Gesellschaft positiv zu betonen, sondern sich zugleich auch loyal zur Politik des heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu positionieren. Jener hatte im Jahr zuvor die Erziehung einer neuen religiösen Generation zur obersten Aufgabe seiner Regierung erklärt. Die von der herrschenden Elite angestrebte ‚Re-Islamisierung' der türkischen Gesellschaft, steht allerdings in offenem Widerspruch zu der jüngst von fromm-konservativen Intellektuellen und Theologen konstatierten Religionsmüdigkeit gerade unter jungen Menschen.Gestützt wird diese Furcht der Konservativen von einer Studie des Meinungsforschungsinstitutes KONDA, welches von einer Verdopplung der ‚Religionslosen' und ‚AtheistInnen' innerhalb der letzten 10 Jahre spricht.

Der Bedeutungsverlust des Religiösen im Leben vieler Menschen lässt sich längst nicht nur für die Alte Türkei der Kemalisten, sondern auch für die Neue Türkei der fromm konservativen Anhänger Recep Tayyip Erdoğan's konstatieren. Gerade junge Menschen aus konservativen Familien scheinen sich zunehmend aus ihrem religiösen Umfeld zu lösen. Der Vortrag widmet sich der Frage, ob sich die Türkei trotz oder gerade wegen der fortschreitenden Islamisierungspolitik einer fromm-konservativen Elite an der Schwelle zu einer neuen Säkularisierungswelle befindet. Um einen näheren Aufschluss über diese Frage zu erhalten, wird auf biographische Interviews mit türkischen Atheistinnen und Atheisten zurückgegriffen, die in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des Forschungsprojektes „Ne mutlu ateistim diyene" („Wie glücklich ist, wer sich Atheist nennen darf") geführt wurden.

Mehr Informationen zum Rahmenprogramm, Anmeldung und Teilnahme  des Deutschen Humanistentags 2019 in Hamburg entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungsplakat und -programm.