Veranstaltungsankündigung

05.02.2019 18:00

Humboldt-Universität zu Berlin, Senatssaal im Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

Paneldiskussion mit Yener Bayramoğlu, Aylime Aslı Demir, Reyda Ergün and Begüm Başdaş (Moderation).

Ein Klima der Angst durchdringt den Alltag der Menschen in der Türkei und bestimmt damit einhergehend auch Gender und Sexualität. In Zeiten starker Polarisierung, Angst und Selbstzensur wagt es dieses Panel, die Frage zu stellen, ob „Liebe" überhaupt noch möglich ist. Nach Liebe zu fragen und zu suchen, ist eine queere Kritik der heteronormativen Dominanz über Gender und Sexualität – doch nicht nur das: Es ist auch eine Sehnsucht nach verschiedenen Wegen, in dieser Welt zusammen zu sein und durch Körperlichkeit, Lust, Intimität, Bindung, Solidarität und Fürsorge in den Armen anderer Zuflucht zu finden. Queer ist ein Tool, dass Räume schafft für verschiedene Zukunftswege, Identitäten und Beziehungen. Queer ist jedoch nicht nur ein entferntes Ideal am Horizont, sondern auch eine notwendige Überlebenstaktik im Hier und Jetzt.

Bei der Paneldiskussion wird es um die Frage gehen, wie durch queere Theorie unsere derzeitigen Erfahrungen verstanden werden können und sich daraus eine Zukunftsperspektive entwickeln lässt. Was sind die Möglichkeiten der Liebe und Fürsorge, wenn Sorgen um unser Überleben dominieren? Welche Rolle spielen Sexualität und Lust in der türkischen Politik? Wie lassen sich durch queere Politik die aktuellen Formen von Liebe, Intimität und Fürsorge in der Türkei verstehen? In diesen düsteren Tagen ist „Liebe" zwar vielleicht noch lebendig und möglich, aber in Angst und Verletzlichkeit gehüllt. Was eine queere Zukunft bereitzuhalten scheint, ist prekär – doch all diese Fragen hier zu stellen, könnte der einzig mögliche Akt der Befreiung sein.

Die Podiumsdiskussion findet auf Englisch statt. Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Empfang ein.
Um Anmeldung per Email wird gebeten: blickwechsel.tuerkei@gmail.com

Die Veranstaltungsreihe "Jour Fixe - Die Türkei im 21. Jahrhundert" wird gemeinsam von dem Programm „Blickwechsel: Studien zur zeitgenössischen Türkei", Network Turkey und GeT MA, dem German Turkish Masters Program in Social Sciences, organisiert und von der Einstein Stiftung und Stiftung Mercator gefördert.

Sprecher*innen

Yener Bayramoğlu
ist Wissenschaftler im Bereich queere Theorie und forscht zur Schnittstelle von Queerness, Migration, Medien und Kultur. Zurzeit ist er Postdoktorand an der Alice Salomon Hochschule Berlin und beschäftigt sich mit intersektionalen Ungleichheiten queerer Biografien. Bayramoğlu promovierte in Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seine Dissertation über die Geschichte queerer Repräsentation in türkischen und deutschen Boulevardblättern wurde mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausgezeichnet.

Aylime Aslı Demir
ist seit 2013 die Chefredakteurin des KAOS GL Magazin, dem ersten und bislang einzigen LGBTI+ Printmagazin in der Türkei. Sie ist zudem die Chefredakteurin des einzigen peer-reviewten Journals zu queeren Studien der Türkei, KaosQ+. Demir hielt Vorlesungen in queerer Theorie an der Universität Ankara und arbeitete als Koordinatorin des ‚Feminist Forum'. Außerdem ist sie Jurymitglied des ‚Women to Women Story Contest'. Sie hat in über 100 Workshops und Konferenzen zum Thema LGBTI+ Aktivismus Präsentationen gehalten und beim Aufbau queerer Communities mitgewirkt.

Reyda Ergün
erwarb ihren LL.M.-Abschluss im Bereich Menschenrechte an der Bilgi Universität Istanbul und promovierte in Öffentlichem Recht an der Galatasaray University. Derzeit arbeitet sie als Assistenzprofessorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Kadir Has Universität, Abteilung für Philosophie und Rechtssoziologie. Sie ist Vorstandsmitglied des Gender and Women's Studies Research Center an der Kadir Has University. Außerdem ist sie eine Aktivistin für akademische Freiheit und Teil der 'Academics for Peace'.

CHAIR
Begüm Başdaş
ist Kultur-, Stadt- und feministische Geographin. Sie erwarb ihren M.A. in Kunstgeschichte an der University of California Riverside und ihren Doktortitel in Geographie an der University of California Los Angeles. Sie arbeitete als Koordinatorin für Kampagnen und Aktivismus bei Amnesty International Turkey zu verschiedenen Menschenrechtsfragen und lehrte an der Bilgi und Boğaziçi Universität feministische und queere Theorie. Derzeit ist sie Stipendiatin der Rosa Luxemburg Stiftung an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

topics of presentations

Yener Bayramoğlu: Sex nach Erdogan: Vorstellungen queerer Zukunft durch die Politik der (Un-)Sichtbarkeit

Aylime Aslı Demir: Der Aufstieg des Rechtspopulismus und die LGBTI-Bewegung in der Türkei

Reyda Ergün: Jenseits von Pessimismus und Utopien in Krisenzeiten: ‚Queer' als kritische Methode in der Politik

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